Muss eigentlich alles, was wir erschaffen, erfolgreich sein?

Manchmal frage ich mich, warum wir Menschen aus allem etwas machen müssen.

Wir beginnen ein neues Hobby, entdecken eine Leidenschaft oder haben plötzlich eine Idee, die uns nicht mehr aus dem Kopf geht.

Am Anfang machen wir es einfach, weil wir Lust darauf haben.

Wir malen ein Bild, schreiben eine Geschichte oder machen Musik.

Und dann passiert etwas Merkwürdiges.

Irgendwann fragen wir uns, ob das, was wir machen, überhaupt gut genug ist.

Ob andere Menschen es mögen.

Ob wir damit Geld verdienen könnten.

Oder ob wir unsere Zeit vielleicht mit etwas Sinnvollerem verbringen sollten.

Aber wann haben wir eigentlich angefangen, unsere Freude an Dingen von ihrem Erfolg abhängig zu machen?

Ein Kind malt ein Bild und freut sich darüber.

Es fragt nicht, wie viele Menschen das Bild sehen werden. Es überlegt nicht, ob jemand dafür bezahlen würde.

Es malt, weil es malen möchte.

Vielleicht sollten wir Erwachsenen uns davon etwas abschauen.

Ich beschäftige mich selbst mit verschiedenen kreativen Dingen. Musik, Schreiben und Zeichnen.

Und manchmal entstehen Ideen, bei denen ich überhaupt nicht weiß, was ich später damit anfangen soll.

Vielleicht wird aus einer Melodie niemals ein fertiger Song.

Vielleicht bleibt eine Geschichte einfach nur eine Geschichte.

Und vielleicht wird ein Bild niemals irgendwo aufgehängt.

Aber ist die Zeit, die ich damit verbracht habe, deshalb weniger wert?

Muss aus jeder Leidenschaft irgendwann ein Ergebnis entstehen, das andere Menschen bewundern können?

Ich glaube, dass wir uns durch diesen Gedanken manchmal selbst die Freude nehmen.

Wir vergleichen uns mit anderen Menschen, betrachten Zahlen und überlegen, warum unsere eigenen Werke nicht dieselbe Aufmerksamkeit bekommen.

Dabei vergessen wir, warum wir überhaupt angefangen haben.

Vielleicht haben wir Musik gemacht, weil uns ein bestimmter Klang glücklich gemacht hat.

Vielleicht haben wir geschrieben, weil wir Gedanken loswerden wollten.

Oder wir haben gemalt, weil es einfach schön war, für einen Moment alles um uns herum zu vergessen.

Natürlich ist es ein schönes Gefühl, wenn andere Menschen unsere Arbeit mögen.

Und es ist auch nichts falsch daran, mit seiner Kreativität erfolgreich sein zu wollen.

Aber vielleicht sollte Erfolg nicht der einzige Grund sein, warum wir etwas erschaffen.

Denn was passiert, wenn der Erfolg ausbleibt?

Hören wir dann auf, etwas zu tun, das uns eigentlich Freude macht?

Ich finde, wir sollten uns öfter erlauben, Dinge zu machen, die keinen größeren Zweck erfüllen müssen.

Ein Bild darf einfach nur ein Bild sein.

Ein Lied darf existieren, auch wenn es niemand hört.

Und eine Geschichte muss nicht tausend Menschen erreichen, um für ihren Verfasser eine Bedeutung zu haben.

Vielleicht ist nicht jedes Werk dazu bestimmt, erfolgreich zu werden. Vielleicht sind manche Werke einfach dazu da, dass wir sie erschaffen.

Und vielleicht ist genau das etwas, das wir im Erwachsenenleben viel zu oft vergessen.

Dass wir nicht alles bewerten, vergleichen oder verbessern müssen.

Manchmal dürfen wir etwas einfach nur gerne machen.

Ohne Erwartungen.

Ohne Druck.

Und ohne ständig darüber nachzudenken, was irgendwann daraus werden könnte.

Denn vielleicht liegt der größte Wert unserer Kreativität nicht immer in dem, was am Ende entsteht.

Sondern in dem Menschen, der wir sind, während wir etwas erschaffen.

Marcel Schtoiz